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REVIEWS/FEATURES on OK UNIVERSE

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SRA/ Nuevo discos //Fadi Dorninger
Als Lektor an der Linzer Kunstuni habe ich über die Jahre hinweg das Vergnügen gehabt, höchst talentierte StudentInnen begleiten zu dürfen, wie Parov Stelar, Just Banks, Horace, Washer, Bauxl von Die Antwort und Cherry Sunkist um nur einige zu nennen. Da zittere ich natürlich bei jedem neuen Tonträger mit, so als hätte ich damit echt was zu tun. Nun gut, stop mit dem Gesülze: "OK Universe" haut mich schlicht aus den Socken. Electro at its best! Großartige Stimme, wunderbare Bass-Läufe, spartanische Beats und Synths, die so old school klingen, dass man schon wieder sehr jung sein muss, um sie auf Platte zu bannen. "OK Universe" rockt, ein feiner Track jagt den nächsten, Power und Charme sind kein Widerspruch, genauso wenig wie Drive und Trash. Jeder der die Platte gratis saugt, wird von mir eigenhändig verdroschen.

 

JUNGLE WORLD / NR.46/ 15.11.07/Sonja Eismann
Radiohead betitelten 1997 ihre musikalische Eintrittskarte in die Welt des Fricklertums »OK Computer«. Cherry Sunkist knöpft sich zehn Jahre später gleich das ganze Universum vor. »OK Universe« heißt das Debütalbum von Cherry Sunkist bzw. Karin Fisslthaler, das auf dem neuen Wiener Label 22. Jahrhundertfuchs erscheint.
Die Musikerin aus dem österreichischen Linz fragt eher skeptisch, wie okay das Universum ist. Mit Synthesizer, Gitarre, Drum-Computer und vor allem ihrer häufig beinahe schmerzlich verzerrten Stimme bewegt sich Fisslthaler zwischen dem quietschigen Pop-Appeal, der ihrem von einem Softdrink entlehnten Künstlerinnennamen gerecht wird, und einer eher düs teren Kritik an Gendernormen: Zu scheppernden und melodiösen Synthiesounds wird der Fetisch der Liebe als riesiger Kuchen imaginiert, der so süß ist, dass die sich daraufstürzende, bulimische Lady kotzen muss. Als Role Model taucht Peaches auf. Cherry Sunkist verweist in »Control« auch direkt auf die Kanadierin. Während bei ihr der Schmerz noch weggefickt werden soll, verschreibt Cherry Sunkist die berühmte »Retail Therapy«: »Shop the pain away!« Aber auch wenn man im Ringen um die Beschreibung der Musik von Künstlerinnen gerne andere Frauen heranzieht und Fissl thaler die Vorbildfunktion von Musikerinnen wie Kevin Blechdom nicht verneint, ist der Vergleich ungenügend. Das Universum von Cherry Sunkist ist vor allem ganz eigen.

 

TBA 11/2007/Florian Obkirchner
Schon letztes Jahr war die Linzer Musikerin Cherry Sunkist in aller Munde, als ihr Song „Nameless Dogs“ als Beitrag auf der „Girl Monster“-Anthologie der Chicks on Speed Listung fand. Schmutziger Cut-up-Elektro-Punk, der in seiner tanzbaren Räudigkeit zumindest hierzulande einzigartig rotzig daherkam. Ihr nun erscheinendes Debütalbum „OK Universe“ gibt sich da allerdings vielschichtiger. Neben die punkigen DIY-Refenzen an Peaches oder Le Tigre gesellen sich nämlich obskure kleine Synth-Spielereien und charmante Electronica-Skizzen, die das Album insgesamt zum abwechslungsreichen Stimmungsbild postfeministischer Agitationslust werden lassen.

 

RADIOFABRIK "ALBUM DER WOCHE" 8.11.2007
Starke Frauen hat das Land...
Cherry Sunkist ist der (Assoziationen von rotem, süßem Saft weckende) Name einer jungen Künstlerin aus Linz, die mit ihrem One-Woman-Projekt ein neues Sternchen am heimischen Elektropop-Himmel werden könnte. Zumindest lässt das ihr Debüt "OK Universe" schon mal erahnen. Cherry Sunkist jongliert im Alleingang mit Synthesizer-Beats, Computer, Gitarre und Vocals und präsentiert der HörerInnenschaft absolut inspirierte und zeitgemäße Musik - selfmade, versteht sich!
Verspielte Melodien, belebter Beat, Weltraumsound, Punk und weiblich angehauchter Elektropop-Spirit werden hier zelebriert. Der Vergleich lässt Cherry Sunkist in der Nähe von Peaches, Bernadette La Hengst oder den Chicks on Speed verorten, "OK Universe" klingt dennoch sehr eigenständig. Seit 3 Jahren arbeitet die Medienkünstlerin Karin Fisselthaler, übrigens eine gebürtige Salzburgerin, an ihrem Projekt "Cherry Sunkist", "OK Universe" ist der - mit 30 Minuten leider kurze - erste eigene Release. Was die Frau bei ihrem Liveact so drauf hat, kann man sich dann beim Radiofabrikfest am 30. November in der ARGEkultur anschauen... wir mussten sie einfach einladen...!

 

FRITZ 11/2007
Die Rebellion eines Riot Grrrls: Die Linzer Künstlerin Cherry Sunkist bietet auf ihrem Debüt "OK Universe" abwechselnd geschlossenes und ausgefranstes, elektronisches Liedgut.
Im Land der Berge haben es junge, innovative Popkünstler bekanntlich eher weniger leicht. Selbst die Austro-Pop-Abteilung strahlt(e) selten über die Grenzen der Alpenrepublik hinaus. Da ist dieser Mainstream-Sender und da gibt es diesen anderen, alternativeren Kanal, wo wir uns alle "at home" fühlen. Wenn in den letzten zehn, fünfzehn Jahren mal was ausgebüchst ist aus dem deutschsprachigen Raum, dann waren das meist elektronische Klänge a la Kruder und Dorfmeister, doch selbst das ist lange her. Und doch stellen sich permanent neue Bands und Solokünstler auf und wollen der öffentlichen Wahrnehmung zum Trotz einfach produzieren, was ihnen Spaß macht oder gar auf der Seele brennt. Yeah. Auch Karin Fisslthaler ist so jemand.
Die 1981 in Oberndorf bei Salzburg geborene Elektronik-Musikerin hat sich den spritzigen Künstlernamen Cherry Sunkist ausgesucht. Sie lebt in Linz und arbeitet als Künstlerin in den Bereichen Video, Installation und Musik. Seit 2004 produziert und performt sie solo und war bisher zum Beispiel auch schon im Rahmen der Ars Electronica Linz zu sehen. Mit "OK Universe" legt sie nun ihr erstes Album vor und veröffentlicht dies auf dem Wiener Weird-Electronica-Label 22. Jahrhundertfuchs. Die erste Nummer darauf schleicht geheimnisvoll daher und kann als Ambient-Soundcollage beschrieben werden. Insgesamt halten sich liedorientierte Stücke samt Gesang und elektronische Klangskulpturen die Waage. Mit "Cake" folgt ein viel versprechender Track mit der "schönen" Zeile: "Love is a big cake, just can't get enough, love is a big cake, makes her wanna throw all up".
Thematisch geht Cherry Sunkist durchaus kontrovers ans Werk: Konsumkritik wird geäußert und gesellschaftliche Rollen mit spitzer Feder hinterfragt. In Interviews spricht die Musikerin sinnhaft von einer "positiven Utopie", einem "fiktiven Ort" der Hoffnung, dem es musikalisch nachzuspüren gilt. "Nameless Dogs" schaffte es sogar auf die aktuelle FM4-Soundselection. Beim Track "Energy" regiert so was wie Eloctro-Punk. Neben ausgetüftelten Sounds und einer spannenden Produktion pendelt die Melodiosität der Nummern allerdings zwischen schräger Eingängigkeit und verspielter Monotonie - eine widersprüchliche Angelegenheit. Leider ist das Werk mit lediglich 27 Minuten Spieldauer eher dünn ausgefallen. Und doch: Immer wieder blitzt darauf das Gespür für die richtigen Klangfarben auf und Cherry Sunkist schafft es ihr eigenes Profil herauszuarbeiten. Verwechslungen mit Gustav alias Eva Jantschitsch oder anderen jungen Sound- und Songtüftlern haben hier kaum eine Chance.
"OK Universe" ist insgesamt eine feine Angelegenheit, die Scheibe klingt dennoch so, als wäre Cherry Sunkist mit ihren individuellen Ideen und deren Umsetzung noch längst nicht am Ziel. Apropos Ziel: Am Donnerstag, den 8. November 2007, kommt die Künstlerin für ihre CD-Präsentation nach Wien ins Rhiz und am 30. November wird sie die ARGEkultur hier in Salzburg mit ihren queren Elektro-Stücken beschallen und das Ganze mit eigenen Visuals untermalen. OK!

 

CRACKED 10/2007
There are more than a lot of obvious connections to the so-called second wave of electronic riot girls (Chicks on Speed, Peaches, Monika Enterprises, Cobra Killer, etc. – I did not count them, but that is the way I hear them being called) and even though I believe that Cherry Sunkist aka Karin Fisslthaler, conceptual artist in video, installation and performances next to writing music, would not complain about these artists’ company, I nevertheless want to point out her originalities and uniquenesses instead. In this musical genre, no matter what you do, the shadow of the Chicks on Speed seems impossible to escape. Having appeared on the Chick’s “Girl Monster” compilation, I don’t think she wants or rather does not see a need to, but if it ever would be necessary then she could. Because what sets Cherry Sunkist apart is a knack for setting great, driving and pounding pop songs into an experimental electro setting and a great singing voice.
Actually, there are two kinds of songs on “ok universe”: one is avantgardist experiments somewhere in the long run rooted in the work of Laurie Anderson (just listen to the beginning of “to please you”), the other kind are pop melodies based on a driving 4/4 beat, which of course make good use of the mass of drum computers and synthies, but these also don’t ever use the force of soul-punk that is inherent in them. The Gossip come to mind or Tilt!, strong band with strong characters in the front position.
Judging from her voice Fisslthaler would also be content to count Patti Smith to her side. At times during the record I get the feeling that she would like to hide her voice, to not get it too outwards or too ostentive, and that she twists it a little or holds it back some, so as to not make get in front too much. It is probably just a question of production, and of keeping a balance between the pop-position and the experimental position. Anyway, there is no reason to hide this voice. My favorite songs on “ok universe” are definitely those that work on the dancefloor. The purely experimental songs are not harsh or extreme or pointed enough for my taste. Maybe a collaboration with Zavoloka would be fine for her. Since I want to either have my mind or my body challenged or both, I prefer those pop songs.
All of these songs carry a message, sometimes quite straight forward, sometimes a little more hidden and crypted. There is no fingerpointing, though, so don’t be afraid you real man to listen to this record. On “Cake” the message is cleverly hidden. The song is about how people, and in that mainly women, give up their lives and personalities for a piece of cake that is a partnership. Partly insecurity and partly fear of being lonely are the main drivers of this tactic but it finally leads to self destruction. The first lines of the song “she wanna hold him, she wanna kiss him” start off like your regular lovey-dovey kind of song, but with the insistence and repeating of these changes – “she wanna feel him / she wanna smell him / she wanna eat him up” – the character of these antics becomes more and more disturbing until the message hits home. In its most extreme form, this is not love, it’s a form of psychosis.
Already the second song takes up consumerism as its main issue and tackling advertisement in all its glorious forms. “I don’t know who you are, but you seem to know my needs” and then answering “what you are is what you have” (a sentimentechoed in other songs as well in other forms) and finally drawing a comparison between consuming and romantic love. Does not sound as if Fisslthaler is a big fan of romantic settings, candle light dinners or moonlight cruises, right? Her credo - and you should really read this carefully and slowly, because it sums up more than just this review - is more like “noise is a language / scream until it bleeds” (from “Nameless dog”).

 

Malmoe
Vehikel zur Selbstbestimmung in Linz
/ Ina Freudenschuß
Cherry Sunkist
Die Geschichte von Cherry Sunkist liest sich wie aus dem feministischen Lehrbuch für Popistinnen: Auf Konzerten von Peaches und Kevin Blechdom in Berlin entstand bei der damaligen Kunststudentin der Wunsch, selbst Musik zu machen. Ihr Auslandssemester in der deutschen Metropole nutzte sie fortan für Platteneinkäufe und dem Selbststudium von Produktionsmitteln elektronischer Musik.
Nach der Rückkehr nach Oberösterreich stand auch gleich das erste Konzert an – ausgerechnet bei der Ars Electronica. Eine Linzer Geschichte und doch auch ungewöhnlich für österreichische Verhältnisse, wo Frauen kaum und in elektronischen Gefilden noch viel weniger in Erscheinung treten. „Ok Universe“, der Titel des Debütalbums von Karin Fisslthaler, verweist auf „naive Weise auf diesen Ort, an dem alles in Ordnung ist“, so die 26-jährige. Damit meint sie ihre Rolle als feministische Musikerin in Österreich und das richtige Umfeld, um das sie nach wie vor ringt. Während es zwar in Wien nicht zuletzt wegen den Frauenbandenfesten und Ladyfesten ein kleines Netzwerk aktiver Frauen gibt, die Musik mit politischem Engagement verbinden, ist dieses Feld in Linz rar gesät. „Es ist wichtig, diese Sehnsucht aufrechtzuerhalten“, sagt sie und spricht damit ihren Wunsch an, das eigene Unbehagen als Frau in einem von Männern gestalteten System zu agieren, irgendwann ad acta legen zu können.
Die Musik von Cherry Sunkist verbindet sloganhafte Texte mit rumpelnden Electro-Beats, die manchmal tanzbar sind, dann aber auch schnell ins Experimentelle abgleiten können. Ihren Drum-Machines Roland 606 und 707 entlockt sie treibende Loops, die am Computer entwirrt und neu arrangiert werden. Über Fieps und Pieps und erkalteten Synthie-Flächen thront die aggressiv-melancholische Gesangsstimme von Cherry Sunkist, die in bester Riot-Grrrl-Manier ihre Beschwerden über eine fremdbestimmte Welt loswird. Inhaltlich arbeitet sie sich dabei an den Fallstricken des vermeintlich Privaten ab – Liebesbeziehungen, Konsum oder auch den Zusammenhang zwischen den beiden. Im zweiten Stück – „Cake“ – heißt es: „Love is a big cake, just can’t get enough, love is a big cake, makes you wanna throw it up“. Eine Aufforderung an Frauen, das Konzept der romantischen Liebesbeziehung hinter sich zu lassen? „Nicht direkt“, meint die Autorin, „wenngleich Frauen in Beziehungen manchmal Gefahr laufen, klassische Rollen einzunehmen“.
Die Frage nach Selbstbestimmung und Lösungsmöglichkeiten aus den Fängen von Erziehung und gegenwärtigen Ansprüchen hält die Musikerin aber vor allem für sich selbst relevant: „Der Kampf gegen die eigene Faulheit oder auch gegen den Zwang zur Selbstkontrolle, auch in Bezug auf diese Dinge sehe ich die Musik als eine Art Vehikel für mehr Selbstbestimmung.“ Das Stück, in dem ihr die Verbindung zwischen verhackstückelten Dance-Beats und provokant-poppigen Gesangslinien besonders gut gelingt, ist gleichzeitig der Hit der Platte. „Nameless Dogs“ erschien bereits letztes Jahr auf der Chicks-On-Speed-Enzyklopädie „Girl Monster“ und dürfte deshalb schon einem breiteren Publikum bekannt sein. Mit dem Sampler hat Cherry Sunkist ihr „grundsätzliches Problem mit Festschreibungen“, deshalb wendet sie den Begriff „Girl Monster“ auch nicht für sich selbst an. Schlussendlich ist es ja auch die queere Haltung ihrer großen Vorbilder Le Tigre, die sie an diesen so bewundert. „Man muss nicht explizit weiblich sein, um bei Le Tigre zu spielen. Sie leben ihre eigene Definition von Geschlechtlichkeit.“